29.05.2017

Erstes Innovationsforum Energieeffizienz der KEFF Schwarzwald-Baar-Heuberg

„Grüne Energie hin oder her, die beste Energie ist immer noch die, die ich nicht verbrauchen muss“, so Detlev Bührer, Bürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen. Er forderte Unternehmen im Rahmen seiner Eröffnungsrede zum KEFF Innovationsforum Energieeffizienz am 17. Mai dazu auf, mit möglichst wenig Energie den größten Nutzen zu erzielen. Dabei sieht er aber auch die Politik gefordert, die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Das Forum, veranstaltet von der regionalen Kompetenzstelle Netzwerk Energieeffizienz (KEFF) Schwarzwald-Baar-Heuberg, dient als Plattform rund um das Thema Energieeffizienz und richtet sich an Experten und Interessierte aus Industrie, Politik und Wissenschaft. Über 100 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt.

Die Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg und Geschäftsführerin der Schuler Rohstoff GmbH, Bettina Schuler-Kargoll, nannte das Thema Energieeffizienz eine wichtige Säule der Energiewende. Da Kleinere und Mittlere Unternehmen (KMU) nicht immer die Ressourcen haben, sich mit Energieeffizienzmaßnahmen auseinanderzusetzen. Angebote wie KEFF weisen hier den Weg. Schon das Aufzeigen von „low hanging fruits“, schnell und günstig umsetzbare Effizienzpotenziale, sowie der Zugang zu Fachinformationen, geeigneter Experten und Fördermittel helfen Hemmnisse abzubauen.

Professor Klaus Kornwachs, Emeritus am Lehrstuhl für Technikphilosophie an der TU Cottbus, stellte in seinem Vortrag philosophische Ansatzpunkte zu Entscheidungen für mehr Effizienz in Unternehmen heraus. Bei der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen gelte es, „Ziele und Effizienz stets miteinander zu diskutieren“. An seinem eigenen Leitgedanke ausgerichtet – Grenzen des Denkens aufheben und mehr systematisch denken – widmete er sich kritischen Themen wie dem Rebound Effekt oder den Interessenkonflikte zwischen Industrie und Energieversorgern.

Claire Range von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. – DENEFF, thematisierte in ihrem Vortrag über die politischen Rahmenbedingungen die Vorteile durch Energieeffizienz auf volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene und machte auf den Mehrfachnutzen, der durch Energieeffizienzmaßnahmen entstehen kann, aufmerksam. Als wesentliche Treiber zur Steigerung der Energieeffizienz nannte sie Systemoptimierung durch Effizienz, Digitalisierung als Schlüsseltechnologie sowie Effizienzergebnisse im Fokus als Qualität und Qualifizierung.

Im Forum des großen Saals erläuterte zu Beginn Roberto-Fabio Nobile, ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG, das Konzept der Energiescouts vor, das junge Menschen motivieren soll, Einfluss auf die Gestaltung ihrer Zukunft zu nehmen und einen aktiven Beitrag zu leisten. Im Anschluss stellte Dominik Flum, Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen, TU Darmstadt, die ETA-Fabrik vor: eine energieeffiziente Modellfabrik für die Zukunft. Zum Abschluss gab Nicolas Réhault, Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, einen Einblick in das Regio-Win-Projekt „SmartBadenMonitor“ – Betriebsführung elektrischer Netze und Gebäude der Zukunft.

Im Forum des kleinen Saals präsentierte Philipp Gaburg, ENIT Energy IT-Systems GmbH, den ENIT-Agent, ein detailliertes Energiecontrolling, welches Unternehmern ermöglicht „tief in den Produktionsprozess hineinzuwachsen“ und somit maximale Transparenz zu schaffen. Stefan Gsellinger, Gsellinger Ingenieur Büro, zeigte am Beispiel eines hydraulischen Abgleichs und Pumpenaustauschs auf, wie z. B. Kirchen Energie sparen können: Durch den hydraulischen Abgleich können im Schnitt acht bis elf Prozent Energie eingespart werden. Stefan Eberhart, Solera GmbH, demonstrierte Umsetzungsmaßnahmen innovativer Gebäudetechnik anhand umgesetzter Projekten sowohl innerhalb der Firma als auch an einem Projekt in der Region. Als Maßnahmen mit hohem Innovationscharakter nannte er neben anderen einen Eisspeicher unter dem Gebäude zur Heizung und Kühlung des Gebäudes oder einen künstlichen Bachlauf zur passiven Kühlung.

Während der Mittagspause nutzten die Teilnehmer die Zeit für einen Austausch miteinander oder nahmen am Effizienz-Experten-Speed-Dating teil. Marilyn Heib, bettervest GmbH stellte die Möglichkeiten des Crowdfunding bei Effizienzprojekten als Vertriebs- und Marketingtool vor. Tobias Bacher, Energieagentur Schwarzwald-Baar-Heuberg schloss mit einer Präsentation zu Fördermitteln an. Ute Kessler, Arqum GmbH, betonte bei ihrem Vortrag über den Einstieg ins Energiemanagement, dass im Zuge dessen ein Monitoring der Hauptverbraucher Pflicht sei.

Konzeptionelle Ansätze zur Beleuchtung in Produktionshallen und Vorteile der LED-Beleuchtung stellte Daniel Hangst, Herbert Waldmann GmbH & Co. KG, vor. Hierbei gelte: „Es gibt nicht die Lösung aus der Schublade“, so Hangst. Für jede Halle ist eine systematische Vorgehensweise notwendig und bedarf einer individuellen Planung. Günter Hirth, Sokratherm GmbH, zeigte in seinem Beitrag die wesentlichen Grundlagen zur Planung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) auf. Neben der Beachtung wesentlicher Regelwerke ist eine qualifizierte Bedarfsanalyse, Dimensionierung, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Überwachung von zentraler Bedeutung bei der Anlagenplanung. Bezogen auf die Optimierung von KWK-Anlagen präsentierte Rafael von Woyna, AVAT Automation GmbH, die Nutzung von Flexibilitätsoptionen anhand von Praxisbeispielen. So kann z. B. durch den Einsatz eines hybriden Energieversorgungssystems, nebst Speichern, Sektorenkopplung sowie Netzregelungen, die Wirtschaftlichkeit von Anlagen optimiert werden.

In der Diskussionsrunde am Ende der Veranstaltung tauschten Thomas Angst, ADT Angst Drehteile GmbH & Co. KG, Herbert Laufer, Laufer Gebäudetechnik Management GmbH und Simon Scholl, KEFF Schwarzwald-Baar-Heuberg als Verantwortliche und Experten im Bereich Energieeffizienz ihre Erfahrungen aus. Es lohne sich, in Energieeffizienzmaßnahmen zu investieren, da ein hoher Return on Investment zu erwarten sei, so die einhellige Meinung der Diskussionsteilnehmer, dabei rechneten sich besonders Maßnahmen zur Optimierung der Druckluft. Wichtig sei auch, dass die größten Energieschleudern im Betrieb identifiziert werden müssten und potenzielle „Bedenkenträger“ mit sinnvollen Maßnahme Best-Practice-Beispielen, Informationsveranstaltungen und der Vermittlung von qualifizierten Beratern „abgeholt würden“. Ziel sei es, so Simon Scholl, KEFF-Effizienzmoderator, die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg zum „Top-Runner“ im Bereich Energieeffizienz zu machen.

Von Umwelttechnik BW nahmen Dr.-Ing. Hannes Spieth und Elisabeth Dückert an der Veranstaltung teil.

Autor

Elisabeth Dückert

Quelle

UTBW

Ansprechpartner

Elisabeth Dückert

Elisabeth
Dückert
Umwelttechnik BW GmbH
Projektleiterin Energieeffizienz KEFF
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Deutschland