23.02.2018

Feuchttücher gegen Verstopfung – Twipes aus London gewinnen Award beim Green Innovation and Investment Forum

20 internationale Start-ups pitchten am 21. Februar 2018 auf dem vierten Green Innovation and Investment Forum (GIIF) in Stuttgart vor knapp 150 Gästen um Kapital, Kooperationspartner und Best Green Tech Idea Awards der Early und der Advanced Stage. Das Rennen um die Awards machten Twipes aus England für die Advanced Stage, Seedforward aus Deutschland für die Early Stage und Nanoscreen aus Dänemark für den Scientifiic Support Award.

Stuttgart. Die Erfindung der Feuchttücher gilt als Segen und Fluch zugleich – je nachdem, wen man fragt. Die Benutzer der Tücher nennen sie praktischer als trockenes Toilettenpapier oder Taschentücher und hygienischer. Für Abwassersysteme und Kläranlagenbetreiber gelten sie als Pest der Neuzeit. Anders als Toilettenpapier lösen sich Feuchttücher auf dem Weg durch die Kanalisation zur Kläranlage nicht auf. Im Gegenteil, sie führen zu Verstopfungen der  Rohrsysteme und erzeugen Berge von Feststoffabfall, die in den Rechen der Kläranlagen hängen bleiben und entsorgt werden müssen. Über 200 Millionen Packungen Feuchttücher wurden 2015 allein in Deutschland verkauft. Die jährlichen Zuwachsraten sind zweistellig. Unter der Prämisse, dass Feuchttücher als Produkt nicht vom Markt verschwinden und auch weiterhin in großem Maße über die Toilette entsorgt werden, kommt eine Lösung der Problematik von einem Start-up aus London, dessen Kanalisation berüchtigt ist für regelmäßige Verstopfungskoliken. Twipes funktionieren exakt so wie herkömmliche Feuchttücher. Für den Konsumenten ändert sich nichts. Bei Wasserkontakt und Bewegung, wie in der Kanalisation vorhanden, zersetzen sie sich jedoch sehr schnell und zwar vollständig. Die Innovation für das drängende Verstopfungsproblem ist marktreif und mit geeigneten Partnern schnell global skalierbar. Die Jury des GIIF zeichnete Twipes deshalb mit dem Best Green Tech Idea Award der Advanced Stage aus. „Auch wenn nun Twipes gewonnen hat, war es doch am Ende ein ganz enges Rennen zwischen vier der zehn angetretenen Start-ups,“ so Dr.-Ing. Hannes Spieth vom Mitveranstalter Umwelttechnik BW GmbH, der ebenfalls anmerkte, dass die Qualität der präsentierten Lösungen insgesamt sehr hoch gewesen sei in diesem Jahr.

„Best Green Tech Idea Award“ der Early Stage bleibt in Deutschland Von den zehn Start-ups der Early Stage wurde das Unternehmen Seedforward aus Deutschland für das Produkt Orgiseedfix ausgezeichnet. Um Samen und Setzlinge vor Krankheiten zu schützen, werden Samen mit Substanzen wie Dünger und Pesitiziden ummantelt (Coating). Dem Ökologischen Landbau stehen dabei deutlich weniger Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung als dem konventionellen Landbau. Ernteeinbußen fallen im Fall von Krankheiten bei ohnehin geringerer Produktionsleistung entsprechend gravierender aus. Mit Orgiseedfix haben die Innovatoren von Seedforward ein Coating entwickelt, dass den Wasserbedarf der Keimphase senkt, die Rhizosphäre mit Nährstoffen über einen längeren Zeitraum versorgt, den Keimling gegen bodengebundene Keime schützt und nachhaltig die Vitalität der Pflanze stärkt. Die Coatings sind dabei auf Klima, Boden und Pflanzenart abstimmbar. Die ersten Versuchsergebnisse sind vielversprechend. Die Wurzelbildung konnte um mehr als 80 Prozent, die Schosse des Keimlings um mehr als 50 Prozent verbessert werden. Sowohl das exzellente Verständnis von Produkt, Prozess und Markt als auch die globale Skalierbarkeit der Innovation überzeugten die Jury, so Ulrike Steinbrenner, Jury-Mitglied des GIIF-Förderers Stiftung Energie und Klimaschutz Baden-Württemberg.

„Scientific Support Award“ für Nanoscreen aus Dänemark Wie in den vergangenen Jahren stellte das INEC der Hochschule Pforzheim erneut den Scientific Support Award zur Verfügung. Mit diesem Award erhält ein Start-up für ein Semester eine intensive wissenschaftliche Begleitung durch die Hochschule. „Wir suchen nach einem Start-up, dessen Lösung uns zunächst überzeugt und wo wir das Potenzial sehen, dass sich durch unsere Unterstützung das Start-up an kritischen Punkten substanziell voranbringen lässt,“ so Prof. Claus Lang-Koetz von der Hochschule Pforzheim. Die Wahl fiel in diesem Jahr auf das dänische Start-up Nanoscreen. Die vorgestellte Lösung basiert auf einer polymerbasierten Beschichtung von großen Glasflächen, die durch integrierte Nanopartikel Wärmeenergie reflektieren ohne den Lichteinfall zu minimieren. Die technische Lösung kann gerade bei hohen Temperaturen den Bedarf an Gebäudekühlung und Klimatisierung deutlich herunterfahren. „Die Idee von Nanoscreen ist technisch herausfordernd und steht noch am Anfang, hat aber ein großes Potenzial, über eine einfache Anwendung den Energiebedarf von Gebäuden zu senken. Das hat uns überzeugt“, so Lang-Koetz.

Green Innovation and Investment Forum auf Wachstumskurs „Wir haben auch in diesem Jahr wieder eine beeindruckende Anzahl grüner Lösungen gesehen“, resümiert Dr. Jürgen Jähnert vom Mitveranstalter bwcon GmbH. Über die vier Auflagen des GIIF hat sich die Anzahl der Einreichungen verdoppelt. Der Anteil der internationalen Einreichungen stieg von 25 auf mehr als 50 Prozent. „Das ist umso erfreulicher, als dass sich die Start-up-Landschaft in den vergangenen Jahren ja deutlich verdichtet hat“, so Jähnert. Entscheiden sich die Start-ups für das GIIF trotz parallel oder zeitnah angebotener Veranstaltungen, ist das Konzept des GIIF, dem Pitching Day einen Training Day mit intensiver Beratung der Start-ups voranzustellen, aufgegangen. „Wir haben zwar den Award nicht gewonnen“, so Torsten Becker von den teilnehmenden Carbonauten. „Wir haben aber wertvollen Input von den Coaches erhalten. Und was für uns noch mehr zählt: Durch die Vernetzung mit anderen teilnehmenden Start-ups sind wir sicher, dass wir nach diesem Event mindestens zwei interessante Kooperationen eingehen werden.“

Das Green Innovation and Investment Forum wurde auch in diesem Jahr von Innoenergy unterstützt.

Alle Teilnehmer des diesjährigen GIIF und weitere Informationen finden Sie unter www.green-inno-forum.eu. Gern beantworten wir weitere Fragen zu den beteiligten Start-ups oder stellen den Kontakt zu Ansprechpartnern her.

Autor

Anja Schröder

Quelle

UTBW

Ansprechpartner