29.02.2016

Hohes Interesse an „grünen Technologien der Zukunft“

Beim zweiten Green Innovation and Investment Forum (GIIF) trafen am 24. Februar weit über 100 Teilnehmer aus der Start-up-Szene und der Investorenbranche aufeinander – um innovative grüne Technologien vorzustellen und Kooperationspartner sowie Kapitalgeber zu gewinnen.

Im Vorfeld hatten knapp 70 Start-ups aus 13 Ländern ihre Ideen zur Präsentation eingereicht. 20 davon – jeweils 10 in den Kategorien „Early Stage“ und „Advanced Stage“ – wählte eine Jury aus und lud zur Präsentation nach Stuttgart Plieningen ein. Bevor die Start-ups um die Gunst der Investoren warben, eröffnete Franz Untersteller, Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg die Veranstaltung mit sehr persönlichen Worten. „Ein rohstoffarmes Land wie Baden-Württemberg ist quasi zur Innovation verdammt,“ so der Minister, „es bedarf des Moonshoot-Thinking, um Wirtschaft und Gesellschaft zu transformieren.“

Die Energie für einen Moonshoot liefern die Thermoelektrischen Generatoren (TEG) des Start-ups Otego aus Karlsruhe nicht. Aber die smarte Entwicklung trägt dazu bei, das Internet der Dinge mit Power zu versorgen. „Wir sind jederzeit und überall umgeben von Energie. Wir müssen im Prinzip nur zugreifen, wenn wir Strom brauchen“, so einfach klingt die Idee aus dem Munde von Matthias Hecht, einem Viertel des Gründerkleeblatts von Otego. Es geht selbstverständlich etwas komplizierter: Thermoelektrische Generatoren (TEG) gewinnen aus Temperaturdifferenzen Strom. Sie beinhalten keine beweglichen Teile und können autark und überall da eine Stromversorgung bieten, wo eine Wärmequelle zur Verfügung steht. Aus der Temperaturdifferenz generieren die TEGs Strom und versorgen direkt das Messgerät. Industriesensoren, Heizungsthermostate, Fitnesssensoren  – und schon liegt der Sprung zum Internet der Dinge, das selbstverständlich Strom benötigt, ganz nah. TEGs sind nicht per se neu und werden in der Raumfahrt seit Jahrzehnten eingesetzt. Otego geht jedoch einen neuen Weg, indem hauchdünne Folien mit elektrisch aktiven Kunststoffen bedruckt und schließlich zu kleinen, zuckerwürfelgroßen Generatoren gefaltet werden. Sowohl beim Ausgangsmaterial als auch bei der Fertigung unterscheiden sich die Otego-TEGs grundlegend von herkömmlichen Modulen. „Die hohe Flexibilität und Robustheit unserer TEGs und vor allem der massenmarktfähige Preis, den wir durch die Kombination aus kostengünstigen Materialien und skalierbaren Fertigungsverfahren erreichen, machen unseren Ansatz einzigartig“, so André Gall, der Produktionsentwickler. Die TEGs von Otego überzeugten auch die Jury, die diese Idee mit dem „Green Tech Award – Early Stage“ auzeichneten.

Der „Green Tech Award – Advanced Stage“ ging an das Konstanzer Unternehmen Viridis.iq, die mit einer technisch exzellenten Lösung für das Silizium-Recycling in der Photovoltaik-Industrie aus Silizium-Abfall hochreines Silizium rückgewinnen können. 200.000 Tonnen davon fallen pro Jahr weltweit an. Den Materialkreislauf innerhalb des Produktionsprozesses konsequent zu schließen, zeichnet die Idee aus. Ganz neu ist der Ansatz, nass-chemische und thermal-chemische Aufbereitungsprozesse miteinander zu verknüpfen. Viridis.iq bietet neben einer effektiven technischen Lösung auch einen hervorragend skalierbaren Ansatz. „Setzt sich diese Technologie durch“, so Geschäftsführer Dr. Wolfgang Herbst, „ist es sinnvoll, über den Bau lokaler Anlagen nachzudenken – überall dort, wo hochreines Silizium in der Produktion benötigt wird.

Beide Awards wurden von der Stiftung Energie & Klimaschutz Baden-Württemberg bereitgestellt. Sie beinhalten ein Preisgeld von 3.000 Euro und ein fünftägiges Intensiv-Coaching. Die Stiftung hat Ideen ausgezeichnet, die hervorragend dazu beitragen, Umwelt und Klima zu schützen. Außerdem erhalten die Gewinner eine mehrtägige Schulung zum Thema „nachhaltiges Unternehmertum“.

Das Institute of Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim vergab erstmalig in diesem Jahr mit dem „GIIF Scientific Support Award“ einen Preis, der die wissenschaftliche Begleitung eines Projekts durch Lehrende und Studenten des Masterstudiengangs „Lebenszyklus und Nachhaltigkeit“ beinhaltet. Dieser Preis ging nach Hamburg. Die Sichone-Turbine der Firma Pipe Hydro Energy (PHE) verspricht, die Energiekosten in Pumpensystemen durch Rückgewinne um bis zu 60 Prozent zu reduzieren. Bei allein 6.000 Wasserversorgern in Deutschland werden enorme Effizienzpotenziale durch die Technologie möglich.

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