07.12.2015

Kaminabend zum Thema Biokohle voller Erfolg

Die Herstellung von Biokohle verspricht neue Verwertungsmöglichkeiten für organische Abfälle und Reststoffe wie zum Beispiel Grüngut, Gärreste und Klärschlämme. Deshalb luden das Netzwerks KURS e. V. und Umwelttechnik BW zu einem Kaminabend ein, um die spannenden Aspekte des Themas Biokohle einem interessierten Publikum vorzustellen.

Über 100 Teilnehmer waren der Einladung in die Villa Eulenhof gefolgt. Folgende Fragen sollten die Vorträge beantworten:

  • Was ist Biokohle?
  • Welche Herstellungsverfahren gibt es?
  • Was sind die Vor- und Nachteile aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht?
  • Welche Marktchancen zeichnen sich ab?
  • Für welche Rohstoffe sind die Verfahren geeignet und welche Produkte lassen sich sinnvoll daraus herstellen? 

Frau Professor Andrea Kruse, Universität Hohenheim erklärte zunächst Begrifflichkeiten und Definitionen rund um die Thematik, die sich an die jeweiligen Prozessbedingungen wie Wassergehalt und Temperatur anlehnen.

In einem Tandemvortrag zur Verwertung von Klärschlämmen mittels des HTC-Verfahrens von Bernd Jörg, BEM Umweltservice und Söhnke Neumann, AVA-CO2 AG, wurde eine mögliche Symbiose zwischen dem Lieferanten von Klärschlamm und dem Anlagenbetreiber aufgezeigt. Fokus des Vortrags lag auf dem Aspekt der Phosphorrückgewinnung und der Bereitstellung von Sekundärbrennstoffen bzw. Substitution von Klinker in der Zementindustrie.

Den Abschluss des Vortragsprogramms bildete ein Erfahrungsbericht aus der praktischen Anwendung der trockenen Pyrolyse von Christoph Zimmermann, Fetzer Recycling GmbH. Zur Installation der Biokohle-Anlage von Pyreg war zunächst über Monate viel Überzeugungsarbeit bei den Genehmigungsbehörden nötig. Die Anlage läuft aktuell sehr stabil in einem 5-Schicht/24-Stunden-Betrieb. Die entstehende Biokohle wird an Kleingärtner vermarktet. Um sich persönlich einen Eindruck der Wirksamkeit von Biokohle auf das Pflanzenwachstum zu verschaffen, hat das Unternehmen am Hauptsitz zusätzlich einen eigenen Versuchs-Kräutergarten angelegt.

Zusammenfassend lässt sich noch keine finale Bewertung der Technologie abgeben. Die Diskussion zeigte klar auf, dass die Anwendung bzw. Installation einer Carbonisierungsanlage nur dann sinnvoll erscheint, wenn diese in ein integriertes Gesamtsystem von Stoff- und Energieflüssen zur Konversion von biogenen Reststoffen eingebettet wird.

HINTERGRUND Mit neuen Verfahren wie der Hydrothermalen Carbonisierung (HTC) oder der trockenen Pyrolyse lassen sich Produkte entwickeln, die sich für ganz verschiedene Einsätze und Verwendungsmöglichkeiten anbieten. Biokohle eignet sich beispielsweise zur Aktivkohlesubstitution bei Reinigungsprozessen, zur Bindung von Schadstoffen in Abwässern oder zur Phosphorrückgewinnung sowie zur Verbesserung der Bodenqualität und -vitalität. Viele weitere Einsätz sind denkbar.

Umwelttechnik BW führt seit 2014 die neu gegründete Arbeitsgruppe Biokohle Der 40 Mitglieder umfassende Kreis befasst sich derzeit mit der Ausarbeitung eines Übersichtsartikels zum Thema. Das bereits verfügbare Wissen sowie der Stand der Technik wird gebündelt und mögliche Verwertungsschienen von Biokohle werden aufgezeigt. Die Koordinierung des Fachartikel liegt bei der Universität Hohenheim. Zukünftige Aktivitäten des Arbeitskreises sind auf die Klassifizierung von Biomassen für verschiedene Konversionsschienen ausgerichtet. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Herstellung und Verwertung von Biokohle im Kontext der Kreislaufwirtschaft, bzw. ob die Integration in Bioraffineriekonzepte ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich sein kann.