11.07.2019

Mehr Kreislauf für Kunststoff – Rezyklate im Fokus

Wie Kunststoff im Kreislauf geführt werden kann und mit welchen Maßnahmen Hemmnisse für den Reyklateinsatz abgebaut werden können, wurde beim After Work Event von Umwelttechnik BW in Neuenstein deutlich. Das dort ansässige Unternehmen Aurora Kunststoffe GmbH, spezialisiert auf das Recycling von Kunststoff-Produktionsabfällen, öffnete seine Türen für die Veranstaltung und bot zunächst knapp 60 Teilnehmenden eine interessante Betriebsführung durch die Warenannahme, die Produktion und Qualitätsprüfung der Rezyklate.

Anschließend besuchten 80 Zuhörerinnen und Zuhörer den Vortragsteil des After Work Events. Dr. Hermann Achenbach vom Kunststoffzentrum SKZ in Würzburg begann die Vortragsreihe mit der Vorstellung des EU-Projekts „Di-Plast“, das Wertschöpfungsstufen übergreifende Systemlösungen für Rezyklateinsatz erarbeitet. Ziel des Projekts ist es, ein Toolkit basierend auf Sensor- und Messtechnik sowie Data-Analytics- und Value-Stream-Management-Methoden zu entwickeln, um Hindernisse für den Einsatz von Rezyklaten abzubauen. Anschließend stellte Gerhard Schweinle, Gesellschafter bei Aurora, das Lean-Logistik-Konzept des Unternehmens für den Wertstoffkreislauf von Produktionsabfällen vor. Zur Umsetzung des Konzepts stellt Aurora Firmen eigene Boxen (bei großen Mengen sogar Sattelauflieger) zur Verfügung, in denen Produktionsabfälle sortenrein getrennt und anschließend verarbeitet werden können. Jürgen Müller von der Schlemmer Holding GmbH ermöglichte in seinem Vortrag einen Einblick in die Herangehensweise beim Einsatz von Rezyklaten eines Kunststoffverarbeiters. Besonders die langjährige und mengenmäßige Verfügbarkeit sind laut Müller wichtige Faktoren bei der Auswahl von Lieferanten für Kunststoffrezyklate. Wie in kleinem Maßstab Plastik rezykliert werden kann, zeigte Martin Langlinderer vom Verein zur Verbreitung Offener Werkstätten e. V. (VVOW) mit dem durch Dave Hakkens initiierte Precious Plastic Projekt. Das Projekt stellt freiverfügbare Bauanleitungen für Recyclingmaschinen (Schredder, Extruder, Spritzgussmaschine) zur Verfügung, um Kunststoffrecycling auf breiter Ebene zu ermöglichen und stärker auf das Thema Kunststoffe in der Umwelt aufmerksam zu machen.

Die Vorträge zeigten auf, wie Kunststoff schon heute im Kreislauf geführt wird, welches große Potenzial im Einsatz von Kunststoffrezyklaten steckt und wie Forschung mehr Rezyklateinsatz in Zukunft ermöglichen kann.

Neben der Beteiligung am Di-Plast-Projekt ist Umwelttechnik BW auch im Projekt MaRek aktiv, das sich mit der tracer-basierten Verfolgung von Kunststoffen befasst. Auch im Rahmen der angebotenen Ökodesignschulungen finden Kunststoffe und deren Kreislauffähigkeit Beachtung.

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